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Redebeiträge zu TOP Sachstandsbericht zur Schachtanlage Niederberg 4 in Tönisberg u.a.
erstellt von Monika Schütz-Madré
20.04.2015     Klicks:974     A+ | a-
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren,
Der Ministerentscheid zum Zechenturm, dem Maschinenhaus und der Schachthalle  macht nicht nur deutlich, dass seitens der Verwaltung, aber auch durch Mitwirkung von CDU/FDP und FW, arrogant und schlampig im Vorfeld gearbeitet wurde. Die gerade Genannten setzten sich hochmütig über Bedenken und Anregungen des LVR und Protesten von Bürgern hinweg, so dass das LVR sich gezwungen sah, ein Instrument einzusetzen, welches nur in Ausnahmefällen und daher selten genutzt wird – der Ministeranruf.
Dem LVR und der Initiative „Rettet den Zechenturm“ ist es zu verdanken, dass hier die Abrissbirne nicht zum Einsatz kam und wir jetzt das machen müssen, was schon vor Jahren begonnen hätte werden müssen, nämlich alle Akteure an einen Tisch zu bekommen um über eine Folgenutzung  und Finanzierungsmöglichkeiten zu beraten. Daher begrüßen wir, dass jetzt Bemühungen unternommen werden müssen, sich diesem ungeliebten Thema wieder zuzuwenden. Ein erster Schritt kann das von der Verwaltung vorbereitete „Spitzengespräch“ sein.
Wir hätten es allerdings für geboten gehalten, auch hierzu die Initiative „ Rettet den Zechenturm“ einzuladen.

Redebeitrag zu TOP 7 Machbarkeitsstudie für die Zeche Niederberg
Als wir diesen Antrag stellten, war uns noch nicht bekannt, dass von der Verwaltung ein „Spitzengespräch“ organisiert wird – welches uns gerade unter vorherigem TOP vorgestellt wurde. Trotzdem werden wir unseren Antrag nicht  zurückziehen, weil wir es für sinnvoll erachten, auch hier  - ähnlich wie bei der Burg – von externer und unabhängiger Stelle Ideen zur Weiternutzung entwickeln zu lassen. Für Studenten z.B. der RWTH Aachen sicher eine willkommene Arbeit mit großer Herausforderung, für Verwaltung und Politik eine nur mit geringen Finanzmitteln erforderliche Möglichkeit, einen neuen Blick auf ein ungeliebtes Projekt zu bekommen. Außerdem  wäre es eine Möglichkeit, das gestörte Vertrauensverhältnis  zum LVR und zu vielen  Bürgern zu verbessern. Ob nach dem angekündigten Spitzengespräch UND einer Studentenwerkstatt noch eine Machbarkeitsstudie erforderlich ist, können wir gerne abwarten.
 
Darum beantragen wir jetzt, in unserem Antrag die Beschlussvorlage dahingehend zu ändern, dass der Beschlussvorschlag wie folgt lautet:
Die Verwaltung wird beauftragt, im Rahmen einer „Studentenwerkstatt“ (z.B. mit der RWTH Aachen)  Ideen für eine Weiternutzung des Zechenturms, der Schachthalle, dem Maschinenhaus und dem dazu gehörenden Gelände zu entwickeln. Des Weiteren möchten wir darauf aufmerksam machen, dass es nicht sein kann, dass in einer Verwaltungsvorlage zwei Beschlussvorschläge – A einmal der einer Fraktion, B einer der Verwaltung zur Abstimmung gestellt werden.Da zunächst über A abgestimmt wird, erübrigt sich Beschlussvorschlag B.
Das gilt auch für den folgenden TOP!

Da unser Antrag auf Entfernen der Hinweisschilder an der A 40 „Historische Altstadt“ im Sozialen Netzwerk FB für viel Wirbel gesorgt hat, inbegriffen Beleidigungen und Beschimpfungen, aber auch für positives Feedback  in Gesprächen mit Bürger*innen, hier unseren Redebeitrag in der Sitzung des Denkmalausschusses zum TOP 8. Vielleicht hilft die Veröffentlichung  zu verstehen, dass unser Antrag nicht aus Langeweile oder weil es uns an anderen wichtigen Themen fehlt, gestellt wurde.

TOP 8 Entfernen der Hinweisschilder „Historische Altstadt“

"Unsere Fraktion versteht diesen Antrag als Denkanstoß, der in überspitzer, d.h. satirischer Form auf ein Jahrzehnte langes Fehlverhalten aufmerksam machen möchte: Den systematisch betriebenen Abbau der historischen Substanz unserer Altstadt. Die Grafik, die Sie in der Vorlage sehen, wurde auf wissenschaftlicher Basis unter Hinzuziehung von Experten erarbeitet. Sie macht deutlich, dass allein im Bereich um den Markt etwa 60 Prozent der vor 1945 vorhanden gewesenen Bausubstanz abgebrochen wurden, darunter im Rahmen der Altstadtsanierung sogar Fachwerkhäuser aus dem 15. Jahrhundert. Nur ein Beispiel von vielen: Ende Mai 1980 starb das wohl älteste Wohnhaus der Stadt (Bild 1) . Ein Fachwerkhaus, das allem Anschein nach aus dem 15 Jahrhundert stammt. Es stand an der Ecke Oelstraße/Josefstraße und musste dem Bau der Heilig-Geist-Straße weichen. Sein Pech: Es ragte anderthalb Meter in den geplanten Straßenzug. Zahlreiche andere Fachwerkhäuser an anderen Straßen folgten.
 
Ein anderer von vielen Sündenfällen war der Abbruch des hier gezeigten, so genannten Baumeisterhauses (Bild 2 ) aus dem Jahre 1742, wo 1809 Kempens erste Apotheke lag. Das Gebäude im lupenreinen Rokoko-Stil lag Judenstraße/Ecke Schulstraße. Errichtet worden war es von dem namhaften Stadtbaumeister Friedrich Vogt. 1970 machte es einer Papierwarenhandlung Platz. Oder das alte Postgebäude am Spülwall (Bild 3), das im Juni 1978  abgerissen wurde. Das Jugendstilgebäude lag zwischen Moorenring und Spülwall, mit der Frontfassade parallel zur Thomasstraße. Es war im Jahre 1899 noch zu Kaiser Wilhelms Zeiten errichtet worden.  
Gegenüber, auf der anderen Seite des Moorenrings, entstand  für drei Millionen Mark ein Neubau, den man auf Anhieb „Postkasten“ nannte.
 
Über diese Sünden wider den historischen Charakter unserer Altstadt, die um ein Haar auch an Peterstraße 20 praktiziert worden wären, könnte man heute Abend einen ganzen Vortrag halten. Den können Sie gerne auf der Homepage der Kempener Initiative "Denk mal an Kempen" von Dr. Kaiser gehalten, nachlesen. Die Verwaltungsspitze behauptet heute noch, die Kempener Altstadtsanierung sei sensibel und beispielhaft durchgeführt worden.
Dazu finden Sie (ebenfalls der Vorlage beigefügt) einen Bericht der Rheinischen Post in der Aula der Kempener Realschule über eine Podiumsdiskussion am 24. Juni 1981 (Bild 4), an der auch  der geistige Vater der Altstadtsanierung, Professor Peter Zlonicky, teilnahm. Er zeigte sich entsetzt von der Umsetzung seines Sanierungsplans. Zlonicky warf dann der Stadt vor, sich aus seinem Konzept vor allem die ihr genehmen Teile herausgepickt, es aber nicht weiterentwickelt zu haben.
 
Das wichtigste Argument für den Massenabbruch der alten Bausubstanz war damals die Finanzierung der Sanierung. Angeblich drohte das Land, seine Fördergelder einzustellen, wenn das Sanierungskonzept mit all seinen vorgesehenen Abbrüchen nicht konsequent umgesetzt würde. Aber den Beweis dafür hat die Stadt nie angetreten. Auch heute werden ähnliche Argumente zur Durchsetzung unsensibler Modernisierungen vorgebracht, etwa der Hinweis, man dürfe aus der Altstadt kein Museum machen, man müsse auch Investoren entgegenkommen.

In diesem Sinne ist unser Antrag zu verstehen, der in das traurige Kapitel des unsensiblen Umgangs mit der Kempener Altstadt  ein wenig satirische Schärfe bringen möchte: Wir wollen mit allen Mitteln versuchen, den Verbleib der noch verbliebenen 40 Prozent historischer Bausubstanz zu erreichen. Ein weiter so ist sicher nicht im Interesse der Kempener Bürgerinnen und Bürger. Diese und auch Historiker stärker einzubinden, haben CDU/FDP und FW in der letzten Denkmalausschusssitzung vertan, als sie unseren Antrag für einen unabhängigen Denkmalbeirat ablehnten.

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