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So sollte die Schule der Zukunft sein!
erstellt von Monika Schütz-Madré
24.01.2017     Klicks:373     A+ | a-
Foto: Eigen
Foto: Eigen
Vorgeschichte
2006 wurde von CDU und FDP die Schulzeit an Gymnasien in der Sekundarstufe I um ein Jahr verkürzt. Das war die größte schulstrukturelle Veränderung der letzten 40 Jahre. Lehrpläne und Schulbücher fehlten, Lehrkräfte wurden nicht entsprechend fortgebildet, Schulen über Jahre allein gelassen. 2011 hat nur ein Dutzend Gymnasien von dem Angebot der rot-grünen Landesregierung Gebrauch gemacht, an einem Modellversuch und der damit verbundenen Rückkehr zu G9 teilzunehmen. Die große Mehrzahl wünschte sich bessere Unterstützung statt erneuter struktureller Brüche. Am „Runden Tisch Schulzeitverkürzung“ wurden daher mit allen Betroffenen Maßnahmen zur Verbesserung von G8 erarbeitet, vom Landtag beschlossen, und sie werden seitdem umgesetzt.

Trotzdem geht die Diskussion um G8/G9 weiter, nicht zuletzt wegen der Veränderungen in anderen Bundesländern, dem zum Teil ideologisch motivierten Wunsch nach einer Rückkehr zur Halbtagsschule alter Prägung und den leider immer noch vorhanden Schwierigkeiten in der Umsetzung des reformierten G8 an einigen Schulen.

Die Schule des 21. Jahrhunderts
Wir wollen nicht mehr Strukturmodelle diskutieren, sondern die Frage in den Mittelpunkt stellen, wie an jeder Schule jedes Kind bestmögliche Förderung und Unterstützung erhält. Wir wollen ernst machen mit der im Schulgesetz verankerten individuellen Förderung. Die Schule der Zukunft muss sich noch mehr als bisher am Kind orientieren, nicht umgekehrt.

Wir GRÜNE wollen deshalb keine Rolle rückwärts, sondern die bisherigen Erfahrungen unserer Schulen nutzen. So gibt es neben den Grundschulen auch bei den weiterführenden Schulen schon erfolgreiche Beispiele für gute individuelle Förderung und flexible Lernzeiten. Das sind zum Beispiel Gymnasien wie das Gymnasium Alsdorf oder das Gymnasium am Neandertal in Erkrath mit der Dalton-Pädagogik*, die Friedrich-Albert-Lange-Gesamtschule in Solingen mit dem Drehtür-Modell, das leistungsstarke Schülerinnen und Schüler auch nach acht Jahren zum Abitur führt, oder die im Netzwerk „Lernpotenziale - Individuell Fördern am Gymnasium“ zusammengeschlossenen Schulen.

INDIVIDUELLE LERNZEITEN - VOMKONZEPT ZUR UMSETZUNG

Bei der Dalton-Pädagogik können die Schüler*innen phasenweise selbst entscheiden, was, mit wem und unterstützt von welcher Lehrkraft sie lernen. Natürlich erst, nachdem ihnen vermittelt wurde, wie man einen Arbeitsprozess selber plant, gestaltet und hinterfragt. Ein solches zeitweiliges eigenständiges Lernen bedeutet keinen Verzicht auf Fördern und Fordern. Im Gegenteil: In den sog. Dalton-Stunden ist dies gut sowohl individuell als auch in Kleingruppen möglich.

Das Grüne Modell
Wir sind überzeugt, dass sich nur mit unserem Modell die festgefahrene Strukturdebatte auflösen und befrieden lässt. Wir wollen, dass Eltern den Schulen vertrauen. Wir wollen, dass die gute Arbeit unserer Schulen und ihrer Lehrkräfte nicht umsonst gewesen ist. Wir wollen sie bei der Weiterentwicklung unterstützen. Dazu wird es auch zusätzliche Fortbildungszeit geben. Auch Eltern und Schüler*innen sollen einbezogen werden.

Die Kernpunkte unseresModells sind die folgenden:
• Der schulrechtliche Rahmen ist für alle Gymnasien gleich. Damit sichern wir Vergleichbarkeit, Durchlässigkeit und Mobilität.
• An jedem Gymnasium, auch an kleinen Gymnasien, ist ein acht- oder neunjähriger Weg zum Abitur möglich.
• Individuelle Lernzeit findet in den Klassen 7 bis 10 statt. Die Eltern und Schüler*innen werden aufgrund der Lern- und Leistungsentwicklung ihres Kindes begleitend umfassend beraten, die Entscheidung über den weiteren Weg wird nach der Erprobungsstufe (Klasse 6) getroffen.
• Es gibt zwei Wege zur individuellen Lernzeit:
o Entweder bildet die Schule nach der Klasse 6 einen dreijährigen und einen vierjährigen Zweig.
o Oder die Schule bietet allen Kindern in diesem Zeitraum neben dem Unterricht im Klassenverband auch individuelle Lernzeiten an, mit Wahlpflichtfächern und dem Besuch des Unterrichts höherer und/oder niedriger Jahrgangsstufen je nach Lernfortschritt. Dann kann die Zeit bis zur Oberstufe fünf oder sechs Jahre dauern.
• Auch an den Gymnasien wird grundsätzlich der mittlere Bildungsabschluss erworben.
• Auch an Gesamtschulen kann die Schullaufbahn zukünftig noch individueller gestaltet werden.
• Die zweite Fremdsprache beginnt an allen weiterführenden Schulen wieder mit der Klasse 7.
• Die Oberstufe der Gymnasien bleibt dreijährig, wie an Gesamtschulen, Berufskollegs und in den meisten anderen Bundesländern.

Der Fahrplan
Vor der Landtagswahl im Mai 2017 kann es seriöserweise keine grundsätzlichen Veränderungen mehr geben. Klar ist aber auch: Wir werden unmittelbar nach der Landtagswahl eine Schulgesetznovelle auf den Weg bringen. Unser Fahrplan:

• Im Schuljahr 2017/2018 startet eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte.
• Ab dem Schuljahr 2018/2019 wird die zweite Fremdsprache an allen weiterführenden Schulen mit der Klasse 7 begonnen.
• Die Schulkonferenzen entscheiden, ob sie die individuellen Lernzeiten bereits zum Schuljahr 2018/2019 oder ein Jahr später einführen.
• Bis 2019/2020 soll die individuelle Lernzeit an allen Schulen angeboten werden.

Vorzüge des Grünen Modells
• Mit Grün wird das Rad nicht zurück, sondern vorwärts gedreht.
• Mit Grün geht die Umsetzung schneller, und es werden sofort mehr Jahrgänge erreicht als mit allen anderen Vorschlägen.
• Mit Grün wird an das angeknüpft, was die Schulen schon entwickelt haben. Ihre Arbeit war so nicht für den Papierkorb. Dabei stehen die Kinder im Mittelpunkt.

Fazit
Unser Modell der individuellen Lernzeit verbindet die Strukturdebatte um G8 und G9 mit der Frage der Schulentwicklung und schlägt somit zwei Fliegen mit einer Klappe. Die leidige Diskussion um die Dauer der Schulzeit wird aufgelöst, und Schulen können sich ausgehend von ihrer Situation weiter entwickeln und so den bestmöglichen Unterricht anbieten. Davon profitieren alle: Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern.

Durch das grüne Modell mit dem Einsetzen der 2. Fremdsprache im Jahrgang 7 gestaltet sich der Übergang in die weiterführende Schule deutlich entspannter. Arbeitstechniken und Lernstände können gefestigt und Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gestärkt werden. Individuelle Lernzeiten bieten zudem gerade auch den leistungsstarken Schüler*innen zusätzliche Lernanreize und Zeit für Wettbewerbe, Projekte wie Jugend forscht, Leistungssport oder Musikförderung.

Wir schieben die Schulen nicht in eine Konkurrenzsituation untereinander, wie das FDP und CDU in ihren Vorschlägen vorsehen, indem sie sich zwischen G8 oder G9 entscheiden müssen. Bei der FDP ist zudem noch ein Hin und Her eingeplant. Schulkonferenzen sollen sich in Abständen auch umentscheiden können. Die Piraten plädieren für das Modell der Bürgerinitiativen, das heißt Rückkehr zu einem Halbtagsgymnasium alter Prägung. Neben der Abwicklung des Ganztags unterstützen sie damit auch die unsägliche Forderung der Initiativen, den anderen weiterführenden Schulformen, u.a. auch den Gesamtschulen 8, Unterrichtsstunden in der Sekundarstufe I zu streichen, um ihren Vorschlag „gegenzufinanzieren“. Im SPD-Modell sind es vor allem zwei Punkte, die Schwierigkeiten bereiten: Zu viele Pflichtstunden einer zweijährigen Oberstufe am Gymnasium und deutlich mehr Pflichtbindungen, bzw. reduzierte Kurswahlmöglichkeiten.

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