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Überarbeitung der Stele am Rathaus
erstellt von Joachim Straeten - Fraktionsvorsitzender
22.03.2015     Klicks:1051     A+ | a-
Sehr geehrter Herr Rübo,
die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stellt zur nächsten Sitzung des Denkmalausschusses am 20.04.2015 folgenden Antrag:

Die Verwaltung wird beauftragt, eine Überarbeitung der Stele am Rathaus durchzuführen.

Begründung:
Jedes Jahr am 27. Januar gedenken wir der Opfer des Holocaust.
Viele Bürger*innen nehmen an dem Gedenken teil. Der Bürgermeister verliest die Namen der Opfer, die unter dem Nationalsozialismus verfolgt wurden und ihr Leben lassen mussten.
Zum Zeitpunkt der Errichtung der Stele waren noch nicht alle Namen bekannt. Durch Forschungsarbeit steht aber mittlerweile fest, dass einige Namen auf dieser Gedenktafel fehlen.
Um nicht die Stele komplett zu erneuern, empfehlen wir eine kleine Tafel als „Nachtrag“ mit den fehlenden Namen.

Dr. Kaiser, der sehr viel in der Geschichte des Nationalsozialismus und seinen Folgen recherchiert hat, ist so freundlich, uns die Liste mit den fehlenden Namen zur Verfügung zu stellen, die wir diesem Antrag beifügen. Sollte der Haushalt der Stadt Kempen es nicht zulassen, die von uns geforderte Nacharbeit zu leisten, sind wir gerne bereit, dafür Sponsoren zu finden.

Mit freundlichen Gruß
gez.
Joachim Straeten
Monika Schütz-Madré

Anlage:
Stellungnahme Herr Dr. Hans Kaiser

Dr. Hans Kaiser
Terwelpstr. 4
47906 Kempen Kempen, den 19. März 2015
Tel. 02152/8925469

Stellungnahme zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kempener Stadtrat zur Sitzung des Denkmalausschusses am 20.04.2015 (Überarbeitung der Gedächtnis-Stele am Rathaus zur Verfolgung der
jüdischen Bürger Kempens durch die Nationalsozialisten) Am 27. Januar 2004, dem Holocaust-Gedenktag, wurde im Zentrum der Stadt, am Rathausturm, eine schmale Gedenktafel eingeweiht, die in vertiefter Schrift die Namen der Opfer zeigt. Diese Stele wurde von dem Kempener Steinmetz Manfred Messing hergestellt. Vorbild war eine ähnliche Tafel am Rathaus der Stadt Osnabrück, die der Kempener CDU-Fraktion 2002 bei einer Besichtigungsfahrt nachahmenswert erschien.
Die CDU-Parlamentarier brachten die Idee nach Kempen, wo sie von allen Fraktionen unterstützt wurde. Dieses Mahnmal trägt eine bewegende Widmung, enthält aber bei der Aufführung von 82 Opfern nationalsozialistischer Verfolgung sachliche Fehler.
So fehlen im Gedenktext drei Namen: Die von Karoline Marx, die am 14. Januar 1940 in ihrer Wohnung in Kempen, Hülser Weg 2, an Herz- und Kreislaufschwäche verstarb, und von Isidor Rath, der am 13. November 1936 in Kempen, Ellenstr. 36, verschied. Karolina (Linchen) Winter, die man bisher mit Carola Winter verwechselte, verstarb im Kempener Krankenhaus am 18. Juli 1940. Diese drei BürgerInnen waren also mehrere Jahre lang den Maßnahmen der NS-Herrschaft ausgesetzt und verdienen daher ebenfalls einen Platz auf der Gedächtnisstele. Ihre Todesdaten finden sich auf den entsprechenden Urkunden im Kreisarchiv Viersen. Zusätzlich sei bemerkt, dass ein jüdischer Bürger gleich dreimal erscheint: Abraham Goldschmidt, den man in Kempen Albert nannte, wird noch zweimal unter seinem Rufnamen aufgeführt. Die jüdische Bürgerin Luise Rath wird zweimal genannt. Fehl am Platz ist hier der Name von Klementine Winter. Sie erscheint nicht in der schriftlichen Überlieferung der Kempener Juden und ist auch in der Familie Winter unbekannt (Auskunft der letzten noch lebenden Kempener Jüdin Mirjam Honig, geb. 1 Vgl. „Messing plädiert für eine Stele“, in: RP 6.11.2002; „Gedenken wird in Granit geschlagen“, ebd., 15.11.2003; „82 Namen zeigen einen Menschen“, ebd., 28.1.2004 2 Mitteilung von Rudi Alsdorf vom 8.10.2008. Winter, vom 1.9.2014).
In Wirklichkeit wurde sie 1879 als Tochter des Neersener Metzgers Hermann Lion geboren und heiratete 1908 in Willich den aus Glehn stammenden Metzger Julius Winter. Das Paar wohnte in Lüttringhausen bei
Remscheid und wurde am 29.7.1942 von Dortmund aus nach Theresienstadt deportiert. Von dort kam Clementine Winter am 15.5.1944 nach Auschwitz, wo sie ermordet wurde (Auskunft von Udo Holzenthal, Stadtarchiv Willich, vom 4.9.2014; s. auch Jochen Bilstein/Friedrich Backhaus (Hg.), Geschichte der Remscheider Juden, Remscheid 1992).

Wenn man als Kriterium dieser Dokumentation „Bürger Kempens zur Zeit der Gewaltherrschaft“ nimmt, dann gehören sieben Namen nicht hierhin, weil ihre Träger vor der nationalsozialistischen Machtergreifung verstorben oder von Kempen weggezogen sind. Julie Lambertz aus St. Hubert verstarb bereits 1917, Simon Lambertz aus Kempen 1928, Helene Winter 1882, Johanna Winter 1929. Selma Winter zog mit ihren beiden Kindern Erich und Grete bereits 1916 nach Bonn.
Eine andere Angabe ist ungenau oder missverständlich: Adolf Lambertz’ bürgerlicher Vorname war Andreas, Adolf war sein Rufname. Den Respekt vor der ehrenwerten Absicht der damaligen Initiatoren können
diese Fehler nicht mindern, denn ihre Motive nach der langen Zeit des Verschweigens in der Nachkriegszeit waren lobenswert. Dass dieses Verzeichnis den Forschungsstand von 2003 spiegelt, kann man ihnen nicht anlasten. Um eine vollständige und korrekte Liste zu erarbeiten, wären Forschungen im In- und Ausland nötig gewesen, die mehrere Jahre in Anspruch genommen hätten. Zudem lagen damals bestimmte Ergebnisse noch nicht vor, die erst in der jüngsten Literatur publiziert worden sind.

Kurz: Eine Überarbeitung der gesamten Stele hätte den Charakter einer überheblichen Kritik, die hier nicht am Platze ist, würde sie doch die Leistung der damaligen Initiatoren zu Unrecht schmälern. Sie wäre auch nicht im Sinne der Kempener Gedächtnis-Kultur, die in den letzten Jahrzehnten respektvoll und angemessen betrieben wird, was im Mehrheitsbeschluss zur Verlegung der Stolpersteine einen erneuten Ausdruck gefunden hat.

Ich unterstütze daher den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kempener Stadtrat, unter der Überschrift „Nachtrag“ eine Ergänzung mit den drei genannten Namen der noch fehlenden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung vorzunehmen.
(Hans Kaiser)

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