Die Diskussion um den Ludwig-Jahn-Platz wird aktuell wieder sehr intensiv geführt. Dabei entsteht teilweise der Eindruck, die Entscheidung für den Neubau der Gesamtschule sei 2021 leichtfertig oder ohne Prüfung anderer Möglichkeiten getroffen worden. Das war nicht so.
Der Entscheidung vorausgegangen war ein jahrelanger Planungs- und Abwägungsprozess. Ausgangspunkt war die Frage, wie wir die drei weiterführenden Schulen in Kempen langfristig gut aufstellen und insbesondere den notwendigen Raumbedarf der Gesamtschule decken können.
Auch wir GRÜNE wollten den Ludwig-Jahn-Platz ursprünglich erhalten. Gerade deshalb haben wir darauf gedrängt, weitere Möglichkeiten zu untersuchen. Auf unsere Initiative hin wurde unter anderem eine zusätzliche Machbarkeitsstudie für den Standort an der Wachtendonker Straße erstellt. Verschiedene Standorte und Unterbringungsmöglichkeiten wurden geprüft und miteinander verglichen.
Am Ende stand eine Abwägung. Denn mit der Gründung der Gesamtschule hat die Stadt die Verantwortung übernommen, dieser Schule dauerhaft ausreichende und geeignete Räume zur Verfügung zu stellen. Als Schule des gemeinsamen Lernens hat sie zudem pädagogische und räumliche Anforderungen, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen.
Nach intensiver Prüfung und Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten hat sich eine Mehrheit unserer Fraktion 2021 für den Neubau der Gesamtschule auf dem Ludwig-Jahn-Platz entschieden. Zu dieser Entscheidung stehen wir.
Der Ludwig-Jahn-Platz fällt nicht ersatzlos weg
Mit der Entscheidung für den Schulneubau wurde gleichzeitig der Familiensportpark an der Berliner Allee auf den Weg gebracht. Dort entsteht nicht nur Ersatz für die bisherigen Sportflächen. Geplant sind zusätzliche Sport- und Bewegungsangebote, die von Schulen, Vereinen und Privatpersonen genutzt werden können – ein echter Familienpark.
Erst wenn die notwendigen Ersatzflächen zur Verfügung stehen, kann die weitere Entwicklung am Ludwig-Jahn-Platz erfolgen. Zusätzlich ist am neuen Schulstandort ein Kleinspielfeld vorgesehen, das auch von den beiden Gymnasien genutzt werden kann.
Der Familiensportpark ist inzwischen längst in der Umsetzung. Die Bauarbeiten laufen und der Baufortschritt kann vor Ort jederzeit selbst begutachtet werden.
Der Raumbedarf Ludwig-Jahn-Platz – unsere Entscheidung und die Fakten der Schulen bleibt hoch
Aktuell werden an der Gesamtschule rund 1.250 Schülerinnen unterrichtet, ebenso viele besuchen zusammen die beiden Gymnasien. Die aktuelle Schulentwicklungsplanung geht bis zum Schuljahr 2035/36 weiterhin von steigenden Schülerinnenzahlen aus.
Die Zügigkeit der beiden Gymnasien wurde deshalb bereits erhöht. Auch an der Gesamtschule muss immer wieder ein zusätzlicher Zug gebildet werden.
Der Neubau entsteht also nicht für einen theoretischen Bedarf, der irgendwann vielleicht einmal eintreten könnte. Die Schulen benötigen diese Kapazitäten bereits heute und nach den vorliegenden Prognosen auch in Zukunft.
Und was ist mit den Bäumen?
Der Erhalt möglichst vieler Bäume war von Anfang an Bestandteil der Planung. Auch im Architektenwettbewerb wurden Klimaschutz, Nachhaltigkeit und der größtmögliche Erhalt des vorhandenen Baumbestandes ausdrücklich berücksichtigt.
Aktuell sorgen die Markierungen an Bäumen verständlicherweise für Fragen. Auch für uns. Denn im bisherigen Verfahren wurde uns kommuniziert, dass für die Erschließung bzw. Baustraße maximal fünf Bäume gefällt werden müssen. Inzwischen werden unterschiedliche Zahlen genannt.
Deshalb haben wir die Verwaltung um eine konkrete Klärung gebeten: Welche Bäume müssen tatsächlich gefällt werden, warum ist ihre Fällung erforderlich und welche Möglichkeiten bestehen, weitere Bäume zu erhalten?
Für uns gilt weiterhin: Jeder Baum, der erhalten werden kann, sollte erhalten werden.
Gleichzeitig gehört zur Wahrheit, dass der Neubau einer Schule dieser Größenordnung nicht ohne Eingriffe möglich sein wird. Entscheidend ist deshalb, diese auf das notwendige Maß zu begrenzen und entsprechende Ersatzpflanzungen und eine klimaangepasste Gestaltung der Außenflächen sicherzustellen.
Auch die weitere Gestaltung des Familiensportparks an der Berliner Allee möchten wir deshalb politisch begleiten. Uns ist wichtig, dass dort bei der Bepflanzung von Anfang an ausreichend Bäume, Hecken, klimaangepasste Pflanzen, Verschattung und möglichst naturnahe Flächen mitgedacht werden. Denn zu einem modernen Familiensportpark gehören für uns nicht nur gute Sport- und Bewegungsangebote, sondern auch eine hochwertige und klimaangepasste Begrünung.
Eine Entscheidung nach jahrelanger Abwägung
Auch andere Beteiligte haben ihre Haltung im Laufe dieses Prozesses verändert. Der VTK stand einer Bebauung des Ludwig-Jahn-Platzes zunächst ablehnend gegenüber und erwog nach dem Ratsbeschluss sogar ein Bürgerbegehren. Nachdem die Planungen und die Machbarkeitsstudie ausführlich vorgestellt worden waren, stimmte die Mitgliederversammlung des Vereins schließlich dafür, die Bebauung zu akzeptieren.
Genau so funktionieren ernsthafte Abwägungsprozesse. Man beschäftigt sich mit Argumenten, prüft Alternativen und kommt auf dieser Grundlage zu einer Entscheidung.
Umso schwerer nachvollziehbar ist es für uns, wenn diese Grundsatzentscheidung nun – mitten in der laufenden Umsetzung – aus einer Führungsposition des VTK heraus wieder grundsätzlich infrage gestellt wird.
Natürlich können neue Fakten auch eine neue Bewertung notwendig machen. Solange uns aber seitens der Verwaltung keine neuen belastbaren Fakten oder Zahlen vorliegen, die die damalige Entscheidungsgrundlage wesentlich verändern, gilt für uns der gefasste Beschluss.
Unsere Aufgabe ist jetzt, den Neubau pädagogisch gut, wirtschaftlich und nachhaltig umzusetzen, dabei so viele der vorhandenen Bäume wie möglich zu erhalten und gleichzeitig die Entwicklung des Familiensportparks weiter konstruktiv zu begleiten. Denn am Ende geht es um das Gesamtprojekt: moderne Schulen, gute Sport- und Bewegungsangebote und eine klimaangepasste Gestaltung, von der Kinder, Jugendliche und Familien in Kempen langfristig profitieren.

